24.11.2011Das beste Marketing…

…ist, im Herren- wie im Damenhandball, zuerst und immer noch die Leistung auf dem Spielfeld. Umsomehr von denen, die eben auch als leistungssportliches „Aushängeschild“ des Vereins auflaufen. Denn es ist ja denkbar einfach. Wenn ansehnlicher kreativer Handball gespielt und eine engagierte Teamleistung geboten wird, dann macht es Spaß zuzusehen. Dann kommt man gerne wieder und fiebert mit. Dann wird positiv über ein sportliches „Event“ gesprochen. Dann gibt es was zu melden, dann muß man sich nicht ärgern oder sich kopfschüttelnd abwenden oder sich gar verschämt verstecken. Und dann, wenn die Einstellung stimmt, wenn man sieht, da ist ein Team, das sich seinen Möglichkeiten entsprechend reinhängt und das seinen Fans und Zuschauern etwas bieten will, dann kann man auch jemandem nahebringen unterstützend dabei zu sein. Klar, das klappt mal mehr, mal weniger. Es gibt einfach Leistungsschwankungen, auch mal Durchhänger, nicht so gute Tage. Aber kein Mensch mit gesunder Leidensaversion will dauernd hören, dass man wieder mal nicht gespielt habe, was man eigentlich könnte und sich vorgenommen habe, dass man auch nicht so recht wisse, woran es nun liege und so fort. Das hat keinen Charme und turnt nur ab. Erwartet wird, wenn`s mal nicht so läuft, eine energische Reaktion, kein schicksalergebenes Lamento.

Diese elementaren Grundsätzen des Sportmarketings haben die beiden Kontrahenden, die am Sonntag, 27. November, 16.00 Uhr, in der Rosentalhalle zur Punktspielbegenung des 11.Spieltags der Liga 3, Staffel Ost aufeinandertreffen zuletzt in höchst unterschiedlicher Weise entsprochen. Die Gastgeber vom SHV Oschatz, als mitteldeutscher Meister Direktaufsteiger, können, obwohl sie am letzten Wochenende beim Tabellenletzten in Burgdorf beim rekordverdächtigen 37:37-Unentschieden eine vogelwilde Abwehr- und wahrscheinlich ihre bisher schlechteste Saisonleistung boten, mit dem bisherigen Saisonverlauf ansonsten sehr zufrieden sein. Als Referenz und Motivation brachte das von der Ex-Aktiven Jana Delor trainierte Team, ähnlich wie die HCS-Damen in der Vorsaison, eine souverän herausgespielte Meisterschaft in der neu formierten mitteldeutschen Oberliga mit, in der man den einzigen ernsthaften Rivalen aus dem Rödertal in den direkten Begegnungen auf die Plätze verwiesen hatte. Nach einem Start mit knappen und höchst unglücklichen Niederlagen gegen Fritzlar und Staffelmeister Blomberg 2 konnte man in Oschatz dann gewiß sein, dass man sich mit einem im Kern schon langjährig zusammenspielenden Team, das im Aufstiegsjahr zuerst durch Spielerinnen aus Naunhof, dann zur neuen Saison aus dem Zweitbundesligakader der liquidierten Spielbetriebsgesellschaft des SC Riesa gezielt verstärkt wurde, in Liga 3 nicht verstecken muß. Vielleicht vorschnell auch schon zu gewiß. Denn nach der unerwarteten Heimniederlage gegen ein stark dezimiertes Halle -  man hatte sich da wohl zu sehr auf den scheinbaren Vorteil einer voll besetzten Bank verlassen – und somit 0:6 Punkten setzte es ein kurzes, aber klarstellendes Donnerwetter. Das offenbar seine Wirkung tat. Seither folgten Siege im DHB-Pokal gegen Zweitbundesligisten und 10:4 Punkte im Ligabetrieb, nur in Stemmer wurde, jedoch auf voller Augenhöhe, noch verloren. Im Frühjahr, dem letzten Aufeinandertreffen, hatte Jana Delors Team das Landespokalfinale gegen die HC Sachsen-Damen noch deutlich verloren. Dies und die langjährige Regionalrivalität werden sicherlich ein Übriges tun, für 60 Minuten die ansonsten einander höchst wohlwollenden Beziehungen zwischen beiden Vereinen hinten anzustellen.

Von Zufriedenheit mit dem bisherigen Saisonabschneiden seines „Leuchtturms“ kann dagegen beim HC Sachsen nicht die Rede sein. Vom Potential des Kaders her hat man sich vor der Saison unter den ersten fünf gesehen. Der Saisonauftakt mit 8:2-Punkten sah diesbezüglich zwar rein numerisch nicht schlecht aus, aber die Leistungen waren unverkennbar doch sehr durchwachsen und diesem Anspruch nicht genügend. Mit dem Schwung und dem geschlossenen Auftritt der Vorsaison war das nicht zu vergleichen. Unbedingt besser wurde es seither nicht. Insbesondere die Art und Weise, wie die Auswärtsspiele in Kirchhof und Fritzlar deutlich verloren wurden, gab zu denken. Jeweils anfänglich engagierte zehn Minuten, als wollte man die Welt einreißen und dann zunehmend den Faden verloren, unkonzentriert, fahrig. Zur Halbzeit bereits entscheidend im Hintertreffen, kein wirkliches Aufbäumen mehr. Vor allem die Vielzahl vergebener bester Torchancen ließ die Haare zu Berge stehen. Und Gelegenheit, sich wieder zu legen, haben die HCS-Damen ihnen bisher nicht gegeben. Vielmehr folgte im Landespokalviertelfinale gegen den ersatzgeschwächten Sachsenligisten aus Bischofswerda am vergangenen Wochenende schon fast so etwas wie die Höchststrafe. Jedenfalls schmeichelt es kaum, wenn ein zwei Spielklassen tiefer angesiedelter Gegner einem, im übrigen völlig zu Recht, u.a. bescheinigte, es doch viel zu oft mit recht durchsichtigen Würfen probiert zu haben. Unübersehbar: da ist ein Knoten im Spiel. Mit Rätseln und Tüfteln sollte jetzt aber Schluß sein. Denn es müssen schlicht wieder Punkte geholt werden. Vielleicht müssen es die HC Sachsen-Damen nur so halten wie, so die Sage, einst der etwas rabiate, aber pragmatische Alexander der Große: den Knoten einfach durchhauen. Nicht unter der Käseglocke grübeln, sondern als Team konzentriert spielen und sein angefangenes Ding auch durchziehen. Dann könnte es ja auch wieder für`s Marketing passen. Am besten natürlich schon am Wochenende.