01.12.2011Die Antwort: Jetzt und dann.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Diese teils motivationsanstachelnde, teils besorgte Frage stellt sich immer dann, wenn ein Team eine mehr oder weniger lange Niederlagenserie hinter sich hat und nun langsam doch wieder einmal ein Erfolgserlebnis her sollte. Um nämlich nicht in eine Situation zu gelangen, von der man sich zum Saisonstart, selbst bei pessimistischsten Erwartungen für die Spielzeit, nicht vorstellen konnte, auch nur in deren Nähe zu gelangen. Und wenn genau dann ein sog. „4- Punktespiel“ vor der Haustür steht, also ein Aufeinandertreffen mit einem anderen Team, das so ähnliche oder noch gröbere Probleme hat.
 
Für Coach Bärbel Wessel und ihre Damen von der F1 des HC Sachsen ist, angesichts des noch bis zur Weihnachtspause zu absolvierenden Spielprogramms in Staffel Ost der Liga 3, diese Frage ganz einfach zu beantworten: Jetzt und dann. Denn zuerst trifft man am Sonntag, 04.12.2011, ab 16:00 Uhr in der „factum arena“ auf die Damen der Eintracht aus Hildesheim und eine Woche später auswärts auf die der SG Magdeburg/Barleben. Nach Pluspunkten sind das die Mannschaften, die derzeit unmittelbar hinter den HCS-Damen als Tabellenelften rangieren und die bereits in akuter Abstiegsgefahr stehen. Zwei verlegte Spiele weniger sollten beim Gastgeber den Blick nicht trüben. Mit der Heimniederlage gegen Osterode und den jeweils deutlichen Auswärtsniederlagen gegen Kirchhof, Fritzlar und zuletzt Oschatz steht man derzeit vor der Tür zum Ligakeller. Und man kann zwar sagen unnötig, aber nicht etwa unglücklich. Denn es waren alles keine Übergegner, schon, nur hilft das nichts: wenn sie zu stark sind bist Du zu schwach. Viermal das fast gleiche Spielverlaufsbild: konzentriert und dominant angefangen, relativ schnell aber ebenso stark nachgelassen und den Faden verloren. Vor allem eine bedenkliche Angriffseffizienz, zu harmlos, zu durchsichtig, zu unkonzentriert. Und dann noch zunehmende verletzungs- und/oder arbeits- und studienbedingte Kaderprobleme bei ohnehin von Haus aus schon schmal besetzter Bank. Fast der größte anzunehmende Unfall dann nach dem Oschatz-Spiel. Zwei Tage nämlich Bangen, dass nun auch noch die Abwehr-Chefin, Marta Adamkova, nach ihrer schweren Knieprellung ausfällt. Dann konnte Coach Bärbel Wessel aber Entwarnung geben, Marta Adamkova kann spielen. Und gab entschlossen die Richtung für die mentale Vorbereitung in der Woche an: „Oschatz hat sehr weh getan, aber das ist vorbei. Wir nehmen jetzt im Schnellgang die Fehler aus diesem Spiel durch, sehen uns die Videozusammenschnitte zu Hildesheim an und dann gilt nur noch: wir gehen raus und packen das als Team an.“ Wer Bärbel Wessels sonstige Tonlage kennt, muß das als emotionale Explosion ansehen. Was wird da möglicherweise erst am Sonntag in der Coachingzone abgehen ?
 
Die Eingangsfrage stellt sich jedoch genauso für den Gast aus Hildesheim. Bzw. nach dem zurückliegenden Heimsieg gegen Schlusslicht Burgdorf erneut. Das von Timo Liepelt trainierte Team, Vorjahresachter, veränderte sich zur neuen Saison erheblich. Neun Spielerinnen aus dem Vorjahr, darunter Spielmacherin und Goalgetterin Anja Grüneberg, waren nicht mehr dabei, acht neue kamen hinzu, fünf verblieben aus dem Team 2010/2011. Mit Neuzugängen u.a. vom THC 2, MTV Rohrsen, Wacker Osterwald und vom HC 2000 Magdeburg sah Timo Liepelt sein neu zusammengestelltes Team jedoch als konkurrenzfähig an und den sicheren Klassenerhalt erneut als realistisches Saisonziel. Eine Einspielphase wurde dabei einkalkuliert. Doch es kam knüppeldick. Sicher geglaubte Heimpunkte wurden abgegeben und Spiele verloren, bei denen es wiederholt die Höchststrafe gab: vom Gegner bescheinigt zu bekommen, auf Augenhöhe mitgehalten zu haben und deshalb sicher demnächst bald die ersten Punkte einfahren zu können. Bis zum zehnten Spieltag waren es magere zwei aus zwei Unentschieden. Der erste Saisonsieg am letzten Wochenende kam zwar spät, aber die Hoffnung auf den Klassenerhalt ist dadurch in Hildesheim am Leben erhalten worden. „Endlich spüren wir mal wieder, wie es ist, ein Spiel zu gewinnen,“ war Timo Lieplet nach dem 30:25 gegen burgdorf erfreut wie erleichtert. Auch über das Spiel seiner Damen mit druckvollem Rückraum und schnellen Außen, womit der Gegner klar beherrscht wurde. Erst im Gefühl des sicheren Sieges ließ die Konzentration nach, der zwischenzeitliche Vorsprung von 9 Toren schmolz noch auf 5 ab. Torgefahr ging von jeder Position aus. Burgddorf- ein „Aufbaugegner“ (noch) zur rechten Zeit, der nun „Appetit auf mehr“ gemacht hat? Die Talfahrt der HC Sachsen-Damen in den letzten Wochen hat man natürlich auch in Hildesheim verfolgen können. Hoffen wird man also bei den Gästen.